Selbstmitleid online

In Zeiten von sozialen Netzwerken wie studiVZ oder auch Myspace geraten wir immer wieder eine ganz besondere Spezies – nämlich an diejenigen, deren soziale Kontakte offensichtlich ausschließlich über dieses Feld stattfinden oder die sich ihr eigenes Wunschleben im weltweiten Netz geschaffen haben.

Dabei rede ich nicht (nur) von denjenigen, die nicht die teilweise vorhandene Selbstironie in den Titeln der Gruppen, denen sie beitreten erkennen – sondern die Gruppentitel wie „Ich bin Blond, habe blaue Augen.....Ja, ich bin Sexy!!!“ für bare Münze nehmen und denken: Jetzt werde ich von der Welt endlich als jemand – oder besser als DERjenige wahrgenommen.

Die Tatsache ist aber: Leute, eure öffentliche Selbstbeweihräucherung geht 90 Prozent der klar denkenden Gesellschaft auf den Keks. An Leuten, die auf solche Sprüche noch reinfallen, dürfte vermutlich ein Großteil des Evolutionsprozesses vorbeigezogen sein. Nein, ihr seid nicht cooler dadurch. Eher ein Stückchen armseliger.

Wisst ihr, was cool wäre? Ein bißchen mehr Mut zur Selbsterkenntnis, ein bißchen mehr Mut zu den eigenen Schwächen auch mal zu stehen. In der Sonne liegen kann jeder – Kraft gehört dazu, durch die Phasen des Lebens zu gehen, wo um einen herum Sauwetter herrscht.

Kommen wir gleich damit zur nächsten Spezies – Menschen, die auf eine ordentliche Privatsphäre keinen Wert mehr legen. Leute, die alle Trägodien des Lebens auf dem weltweit einsehbaren Altar des Internets platzieren müssen.

Was soll das auslösen? Mitleid? Mitleid habe ich in der Tat mit Menschen, denen Tragisches widerfahren ist. Aber vor allem habe ich Mitleid mit Leuten, die es offensichtlich nötig haben, ihre eigene Persönlichkeit über private Tragödien zu profilieren.

Mitleid kann man auch mit den Menschen haben, die offensichtlich nicht die Kraft oder auch das Umfeld haben, um mit solchen Ereignissen fertig zu werden.

Richtiggehend perfide wird es aber ab dem Moment, wo das ganze öffentliche Bild dieser Person ein sonniges Bild abgeben soll, aber – sozusagen als Garnierung – noch die tragische Lebensgeschichte des Probanden den Eindruck machen soll, das man es in Wahrheit nicht mit dem coolen Checker aller Gruppen zu tun hat, sondern im Grunde mit einem bedauernswerten Würstchen, den wir alle sofort in den Arm nehmen müssen.

Man traut sich in diesen Profilen gar nicht mehr, die Wahrheit zu schreiben. Denn permanent hat man den Hintergedanken: „Schreibst du jetzt etwas Negatives, dann hält dich der nördliche Teil des Äquators gleich für die letzte herzlose Sau.“

Der Profileigner hat also Angst davor, ungeschminkte Wahrheit abzukriegen.

Sicherlich sind menschliche Trägodien das eine, das Breittreten derselben im gleißenden Scheinwerferlicht aber noch etwas ganz anderes.

Es spricht sicherlich nichts dagegen, wenn man auf seinem Profil Tatsachen – heißt Wahrheiten - über sich veröffentlicht. Aber, bitte, liebe Leute: wir müssen nichts über euren letzten One Night Stand wissen, denn das ist eure Intimsphäre. Und das ihr die nicht braucht müsst ihr nicht auf Gewalt aller Welt aufzwingen.

Wir müssen auch nichts über eure Schicksalsschläge erfahren – denn vergesst nie: zu traurigen Ereignissen gehören meistens mehrere Personen. Und ob die so gut damit leben können, das auf ihrem still ertragenen Leid eine ganze Horde von Internetusern herumtrampelt, das steht auf einem ganz anderen Blatt.

20.9.10 23:17, kommentieren

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Sehnsucht

Manchmal kommt es einem vor wie ein physischer Prozess. Wie Neid. Neid auf das profane Stück Holz, auf dem sich andere Menschen versuchen dürfen. Ein Stück Holz, das für einen selbst einen Hochsicherheitstrakt darstellt.

Es ist verschlossen und der eigene Körper blockiert die Möglichkeit, den Schlüssel dafür herauszugeben. Der Feind liegt in dir. Du musst ihn dir bloß austreiben.

1 Kommentar 26.8.10 00:54, kommentieren

Fragen

Das Herz schlägt weiter, das Leben steht still.
Der Mund macht nicht das, was das Bewusstsein will.
Ist es die eigene Kontrolle oder die Tränen im Gesicht,
Oder ist es das Gefühl, hat mein Wort noch Gewicht?

Geniess ich das Leben, schaut mir mein Schicksal nur zu?
Oder greift es mal ein, weiß ich nicht, was ich tu'?
Fehlt die Wärme nur mir oder verschenk' ich sie jetzt?
Sprechen Andere und wissen nicht, was verletzt?

Denkt man in Werten und verliert, ist es was wert?
Spricht man nicht sauber ist es mehr was man erfährt.
Was zählt als Wunsch, was zählt der Wille?
Ist das Leben nicht mehr als eine bittere Pille?

1 Kommentar 17.1.10 20:01, kommentieren

Juchu... mal was neues!

Okay, es war längere Zeit ziemlich geräuschlos hier, aber nun darf ich endlich mal eine, wenn nicht die Neuerung ankündigen:

 Im kommenden Sommer wird hier mein kleiner Reisebericht über eine Irland-Wanderung erscheinen. Klingt so gesehen nicht hypermäßig spannend, aber ich bin mir sicher, mit dem Rucksack durch Irland, das gibt genug Raum für ein paar sachliche und noch mehr weniger sachliche Beiträge.

Ich freue mich drauf und würde mich über ein paar Mitleser noch viel mehr freuen.

 

1 Kommentar 4.9.09 23:23, kommentieren

Fan Life Crisis

Der Zeitpunkt für die Erkenntnis des Älter werdens ist oft ungeeignet. Bisweilen sogar so
ungeeignet, das sie einen zwischen lauter Gleichaltrigen in einem Zustand vollkommenen Bewusstseins erreicht. Nein, ich schwöre, es war kein Alkohol dabei.

Man sitzt an einem Samstag Nachmittag daheim vorm Fernseher und beäugt das Spiel seines favorisierten Vereins. Die Männer unter Ihnen werden sich dieses Szenario sicher
gut vorstellen können. Jedenfalls früher. In damaligen Zeiten fletzte man sich aufs Sofa und fluchte bei sich jeder bietenden Gelegenheit über die überbezahlten faulen Säcke auf
der anderen Seite der Scheibe, die offensichtlich immer noch nicht begriffen haben, dass das Ziel des Fußballspiels NICHT ist, die externfinanzierten Treter möglichst unversehrt
zu lassen und das man trotz des Sponsorenlogos nicht verpflichtet ist, in Zeitlupe an den Fernsehkameras vorbeizustümpern. Da bei der andauernden Flucherei natürlich auch irgendwann das Stimmorgan ungeölt, so dass man irgendwann auch dazu tendiert, die ganze Geschichte mit Hopfen etwas zu versiegeln. Und sollte man versehentlich eine alkoholfreie Flasche angeln, so besteht ja immer noch die Möglichkeit den homöpathischen
Faktor durch eine gepflegte Halbzeitzigarette wieder nach unten zu bewegen.

Soweit die gute alte Praxis.

Was soll ich sagen? Ich bin nicht "Deutschland bewegt sich" beigetreten. Es gibt keine Gründe für einen Sinneswandel. Die eigene Mannschaft spielt nicht nennenswert
besser, als das sich dadurch ein Stimmungswandel vom Niveau einer Midlife-Crisis einstellen könnte.

Früher hatte man Mitleid mit irgendwelchen Softdrink-Sündern. Heutzutage rümpft man immer noch die Nase - nur die Gründe haben sich geändert, denn das Hüftgold klopft mahnend
bei jedem Schritt auf die Knie.

Gut, wir sind immer noch weit von dem Moment entfernt, wo man südliche Körperregionen nur noch im Spiegel bewundern kann, keine Sorge.

Am heutigen Samstag dampft ein Kamillentee vor mir, dessen Duft bei einigen Menschen im Raum den Drang auslöst, ein Wesen mit dem Doppelnamen Villeroy-Boch zu umarmen.
Die nikotinabgebenden Sargnägel haben sich schon seit dem Zeitpunkt verflüchtigt, als die eigene Lunge als neues Autobahnteilstück eingeweiht werden sollte.

Ist das altern? Oder ist das die Genügsamkeit des Alters?

Während früher der Schiedsrichter schonmal aus dem Lederfauteil aufgefordert wurde, sich die Karten doch bitte rektal einzuführen, so fängt laut Meinung der Beobachtenden
mittlerweile sogar der Linienrichter an, einige Aktion GUT zu sehen..
Ein Vorgang, der per Definition unmöglich ist.

Während man früher auch bei 6:0-Heimfesten doch mindestens einen guten Grund fand sich aufzuregen (Riesenchancen ausgelassen, die Fahnen hängen doof
oder der Mittelstürmer hat Blähungen), so sind mittlerweile sogar Gurkenkicks, die durch ein Eigentor des Gegners mit dem Gesäß und Aberkennung vier regulärer gegnerischer Tore perfekt herausgespielte Siege.

Das ist merkwürdig? Nein. DAS wird mit den Jahren Realität.

1 Kommentar 23.5.09 23:56, kommentieren

Die Zeit

Die Uhr zählt runter

Die Zeit schläft ein.

Alles lebt so monoton

Wie kann das alles sein?

 

Das Leben schleicht weiter,

Der Atem humpelt voran

Alles scheint so grau

Und alles frisst sich in mich.

13.9.07 22:23, kommentieren

Zitat

Ich bin für dich da und wenn hart folgt auf hart.
Ich werd tun was ich tun kann bis ins Grab
Durch die Hölle und wieder zurück
Gemeinsam ans Ziel auch wenn uns niemand hilft
Gib nicht auf Bruder, ich bin da wenn du mich brauchst
Denk an mich und im Dunkel geht ein Licht auf
Werd dir Flügel verleihen wenn du an mich Glaubst
Alles aus doch mein Kleine Schimmer blitz auf
Flieg mit mir was du braucht lieg in dir
Du darfst nur dein Glauben an dich nie verlieren
Kopf hoch eines Tages Bruder alles wird Gut
Ich bin der Der dich wieder aufbaut fall Du mich rufst
Geb ich kraft und erleichtere dir deine Last
Was du nicht alleine schaffst Schaffen Wir zusammen
Bleib tapfer Sprich ein Gebet
Halt durch verliere mich nicht und Du wirst seh'n

 

(Azad ft. Adel Tawil - Ich glaub an dich) 

1 Kommentar 8.8.07 17:08, kommentieren