Fan Life Crisis

Der Zeitpunkt für die Erkenntnis des Älter werdens ist oft ungeeignet. Bisweilen sogar so
ungeeignet, das sie einen zwischen lauter Gleichaltrigen in einem Zustand vollkommenen Bewusstseins erreicht. Nein, ich schwöre, es war kein Alkohol dabei.

Man sitzt an einem Samstag Nachmittag daheim vorm Fernseher und beäugt das Spiel seines favorisierten Vereins. Die Männer unter Ihnen werden sich dieses Szenario sicher
gut vorstellen können. Jedenfalls früher. In damaligen Zeiten fletzte man sich aufs Sofa und fluchte bei sich jeder bietenden Gelegenheit über die überbezahlten faulen Säcke auf
der anderen Seite der Scheibe, die offensichtlich immer noch nicht begriffen haben, dass das Ziel des Fußballspiels NICHT ist, die externfinanzierten Treter möglichst unversehrt
zu lassen und das man trotz des Sponsorenlogos nicht verpflichtet ist, in Zeitlupe an den Fernsehkameras vorbeizustümpern. Da bei der andauernden Flucherei natürlich auch irgendwann das Stimmorgan ungeölt, so dass man irgendwann auch dazu tendiert, die ganze Geschichte mit Hopfen etwas zu versiegeln. Und sollte man versehentlich eine alkoholfreie Flasche angeln, so besteht ja immer noch die Möglichkeit den homöpathischen
Faktor durch eine gepflegte Halbzeitzigarette wieder nach unten zu bewegen.

Soweit die gute alte Praxis.

Was soll ich sagen? Ich bin nicht "Deutschland bewegt sich" beigetreten. Es gibt keine Gründe für einen Sinneswandel. Die eigene Mannschaft spielt nicht nennenswert
besser, als das sich dadurch ein Stimmungswandel vom Niveau einer Midlife-Crisis einstellen könnte.

Früher hatte man Mitleid mit irgendwelchen Softdrink-Sündern. Heutzutage rümpft man immer noch die Nase - nur die Gründe haben sich geändert, denn das Hüftgold klopft mahnend
bei jedem Schritt auf die Knie.

Gut, wir sind immer noch weit von dem Moment entfernt, wo man südliche Körperregionen nur noch im Spiegel bewundern kann, keine Sorge.

Am heutigen Samstag dampft ein Kamillentee vor mir, dessen Duft bei einigen Menschen im Raum den Drang auslöst, ein Wesen mit dem Doppelnamen Villeroy-Boch zu umarmen.
Die nikotinabgebenden Sargnägel haben sich schon seit dem Zeitpunkt verflüchtigt, als die eigene Lunge als neues Autobahnteilstück eingeweiht werden sollte.

Ist das altern? Oder ist das die Genügsamkeit des Alters?

Während früher der Schiedsrichter schonmal aus dem Lederfauteil aufgefordert wurde, sich die Karten doch bitte rektal einzuführen, so fängt laut Meinung der Beobachtenden
mittlerweile sogar der Linienrichter an, einige Aktion GUT zu sehen..
Ein Vorgang, der per Definition unmöglich ist.

Während man früher auch bei 6:0-Heimfesten doch mindestens einen guten Grund fand sich aufzuregen (Riesenchancen ausgelassen, die Fahnen hängen doof
oder der Mittelstürmer hat Blähungen), so sind mittlerweile sogar Gurkenkicks, die durch ein Eigentor des Gegners mit dem Gesäß und Aberkennung vier regulärer gegnerischer Tore perfekt herausgespielte Siege.

Das ist merkwürdig? Nein. DAS wird mit den Jahren Realität.

23.5.09 23:56

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